Location

Room 201, State Farm Hall

Event Website

https://www.iwu.edu/german/conference/

Start Date

2-4-2016 10:20 AM

End Date

2-4-2016 11:05 AM

Description

Die Erforschung künstlerischer Kompositionen, die in psychiatrischen Anstalten geschaffen wurden, begann als interdisziplinäre Disziplin zwischen Kunstgeschichte, Medizin, Anthropologie, und den Naturwissenschaften. Die Gelehrten dieser Fächer haben damals geglaubt, dass die Kompositionen von Geisteskranken in psychiatrischen Anstalten mit einer Urkultur vergleichbar waren. Diese Gelehrten sahen ähnliche formelle Eigenschaften in der Kunst der Geisteskranken und der Kunst der “barbarischen” Urkulturen Europas, wie sie z.B. in europäischen Höhlenmalereien erhalten ist. Ich behaupte jedoch, dass die Kompositionen von Geisteskranken, die sie unter den Eindrücken von visuellen Halluzinationen gemalt haben, auf ein universales künstlerisches Gestaltungsprinzip deuten.

In der Theorie der “Gestaltung” listet Hans Prinzhorn (1886 – 1933) die formellen Eigenschaften des Modernismus auf. Surrealistische Künstler haben auch diese formellen Eigenschaften in ihrer Kunst genutzt, weil der frühe Modernismus die Methode des “Automatismus” erfunden hat. Dies geschah, als surrealistische Künstler versucht haben, sich ihr eidetisches Gedächtnisses zu bedienen. Prinzhorn interpretiert ihre Kunstwerke und behauptet, dass auch die Geisteskranken sich eines eidetischen Gedächtnisses bedienen, wenn sie Kunstwerke über ihre Halluzinationen gemacht haben. Prinzhorn vergleicht die Formen in den Kunstwerken mit Urformen von prähistorischen Kulturen und modernen Kunstformen. Aktuelle Studien in der visuellen Theorie bekräftigen die Theorie der “Gestaltung” als universales Prinzip, weil jetzt bekannt ist, dass das menschliche visuelle System zweiteilig ist: es gibt sowohl archetypische Bilder als auch wie eidetische Bilder. Meine Studien von Hans Prinzhorns Werk zeigen, dass, obwohl die meisten Menschen kein eidetisches Gedächtnis haben, alle Menschen sich archetypischer Bilder und universeller formeller Eigenschaften bedienen können.

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COinS
 
Apr 2nd, 10:20 AM Apr 2nd, 11:05 AM

Gestaltung als künstlerisches Konzept in psychiatrischen Anstalten am Anfang des 20. Jahrhunderts

Room 201, State Farm Hall

Die Erforschung künstlerischer Kompositionen, die in psychiatrischen Anstalten geschaffen wurden, begann als interdisziplinäre Disziplin zwischen Kunstgeschichte, Medizin, Anthropologie, und den Naturwissenschaften. Die Gelehrten dieser Fächer haben damals geglaubt, dass die Kompositionen von Geisteskranken in psychiatrischen Anstalten mit einer Urkultur vergleichbar waren. Diese Gelehrten sahen ähnliche formelle Eigenschaften in der Kunst der Geisteskranken und der Kunst der “barbarischen” Urkulturen Europas, wie sie z.B. in europäischen Höhlenmalereien erhalten ist. Ich behaupte jedoch, dass die Kompositionen von Geisteskranken, die sie unter den Eindrücken von visuellen Halluzinationen gemalt haben, auf ein universales künstlerisches Gestaltungsprinzip deuten.

In der Theorie der “Gestaltung” listet Hans Prinzhorn (1886 – 1933) die formellen Eigenschaften des Modernismus auf. Surrealistische Künstler haben auch diese formellen Eigenschaften in ihrer Kunst genutzt, weil der frühe Modernismus die Methode des “Automatismus” erfunden hat. Dies geschah, als surrealistische Künstler versucht haben, sich ihr eidetisches Gedächtnisses zu bedienen. Prinzhorn interpretiert ihre Kunstwerke und behauptet, dass auch die Geisteskranken sich eines eidetischen Gedächtnisses bedienen, wenn sie Kunstwerke über ihre Halluzinationen gemacht haben. Prinzhorn vergleicht die Formen in den Kunstwerken mit Urformen von prähistorischen Kulturen und modernen Kunstformen. Aktuelle Studien in der visuellen Theorie bekräftigen die Theorie der “Gestaltung” als universales Prinzip, weil jetzt bekannt ist, dass das menschliche visuelle System zweiteilig ist: es gibt sowohl archetypische Bilder als auch wie eidetische Bilder. Meine Studien von Hans Prinzhorns Werk zeigen, dass, obwohl die meisten Menschen kein eidetisches Gedächtnis haben, alle Menschen sich archetypischer Bilder und universeller formeller Eigenschaften bedienen können.

http://digitalcommons.iwu.edu/germanresearch/2016/herausforderungen_der_verstandigung/1